Ein ganz normaler Schultag
Die Schule füllt sich.
Jacken rascheln, Türen schlagen, Kinderstimmen hallen durch die Flure.
Hausaufgaben werden herausgeholt, Stifte gesucht, Fragen gestellt.
Ein gewöhnlicher Schultag beginnt.
Und mittendrin sind wir.
Zwei Schulassistenten an der Kooperationsschule Chemnitz.
Nicole Klug und Sebastian Behr.
* Wir begleiten den Alltag
Wir sind da, wenn Kinder ankommen und noch nicht bereit für den Unterricht sind.
Wir sind da, wenn Aufgaben zu schwer wirken.
Wir sind da, wenn Konflikte entstehen.
Und wir sind da, wenn einfach jemand gebraucht wird.
Wir erklären noch einmal in Ruhe.
Wir strukturieren mit.
Wir beruhigen.
Wir motivieren.
Wir hören zu.
Manche Kinder brauchen uns kurz.
Andere über längere Zeit.
Viele immer wieder.
Wir sind feste Bezugspersonen im Schulalltag – oft genau dort, wo sonst jemand fehlt.
* Mehr als Unterricht
Unsere Arbeit findet nicht nur im Klassenraum statt.
Wir übernehmen Ausfallstunden und betreuen die Schülerinnen und Schüler pädagogisch sinnvoll.
Wir begleiten Projekte und Klassenfahrten.
Wir unterstützen bei Wandertagen, Ausflügen, Schwimmen und Eislaufen.
Wir helfen bei der Berufsorientierung.
Wir begleiten Arbeitsgemeinschaften und besondere Schulaktionen.
Wir ermöglichen Dinge, die sonst nicht oder nur schwer stattfinden könnten.
* Die roten Stühle
Im Schulhaus stehen zwei rote Stühle.
Sie stehen nicht zufällig dort.
Sie stehen für uns.
Für unsere Arbeit.
Für unsere Unterstützung.
Für unsere Stellen im Schulalltag.
Doch sind sie leer.
Und genau dieses „leer“ ist die Frage, die uns begleitet.
* Ein unsicherer Platz
Denn unsere Stellen sind befristet.
Das bedeutet:
Jedes Jahr ist unklar, ob wir bleiben dürfen.
Jedes Jahr entscheidet sich neu,
ob die Unterstützung weitergeht – oder endet.
Nicht, weil sie nicht gebraucht wird.
Sondern weil sie politisch befristet ist.
* Wenn Unterstützung wegfällt
Was würde passieren, wenn wir fehlen?
Weniger Begleitung im Unterricht.
Weniger individuelle Unterstützung.
Weniger Menschen, die Zeit haben zuzuhören.
Lehrkräfte müssten noch mehr auffangen.
Kinder hätten weniger verlässliche Ansprechpersonen.
Und vieles, was heute möglich ist, würde schwieriger werden:
-
Abminderung von Ausfallstunden
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Arbeitsgemeinschaften
-
individuelle Förderung
-
Begleitung in herausfordernden Situationen
-
Stabilität im Schulalltag
-
Projekte, Ausflüge und Klassenfahrten
Nicht alles verschwindet sofort.
Aber vieles wird still weniger.
* Was Schule braucht
Schule ist heute vielfältiger als früher.
Kinder bringen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit:
unterschiedliche Lernstände, unterschiedliche Lebenssituationen, unterschiedliche Bedürfnisse.
Das ist Realität im Klassenzimmer.
Und genau deshalb braucht Schule mehr als Unterricht.
Sie braucht Menschen:
Die Zeit haben.
Die bleiben.
Die Beziehungen aufbauen.
Die verlässlich da sind.
* Unsere Botschaft
Wir erleben täglich, wie wichtig diese Arbeit ist.
Und wir erleben gleichzeitig, wie unsicher sie ist.
Darum sagen wir:
Kinder brauchen Kontinuität.
Beziehungen brauchen Zeit.
Gute Schule braucht verlässliche Strukturen.
* Die Frage hinter den Stühlen
Die roten Stühle stehen deshalb für eine einfache, aber wichtige Frage:
Was verliert eine Schule,
wenn die Menschen verschwinden, die sie jeden Tag mittragen?
+++ Die roten Stühle +++
Eine Aktion der Schulassistenten der Kooperationsschule Chemnitz
Nicole Klug & Sebastian Behr